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Schwachpunkte?

23. März 2010

Es war schon länger so und wird auch noch länger Praxis bleiben: Die Frage nach den Schwächen des Kandidaten im Vorstellungsgespräch.

Kennen Sie jemanden, der diese Frage ernsthaft beantworten möchte? Sich damit endgültig aus dem Bewerbungsverfahren katapultiert, indem er oder sie freiwillig (!) zugibt, diese oder jene Anforderung nicht zu erfüllen oder gar ungeniert aus dem Nähkästchen plaudert wie in der Nachmittagstalkshow? Warum antworten wir dann so bereitwillig? Ja, warum bereiten wir uns überhaupt darauf vor, so eine Frage zu beantworten?

Kinderstube

Ganz einfach: Es gehört zu den Standardsituationen im Leben. Man hat uns im Verlauf unserer Entwicklung beigebracht, dass man auch auf solche Fragen höflich und “ordentlich” antwortet, auf deren Beantwortung man eigentlich keine Lust hat. Es gilt als ‘normal und richtig’, sich auf solche Fragen einzulassen.
Eine patzige Antwort wie “Meine Schwächen werde ich ausgerechnet Ihnen auf die Nase binden!” ist in dem Moment nicht zielführend. Immerhin sitzt man nicht ohne Grund auf dem heißen Interviewstuhl. Wir wissen, dass wir nur dann etwas bekommen, wenn wir etwas geben.

Standardempfehlung auf die Standardsituation: “Wissen Sie, meine größte Schwäche sind Chips/Schokolade/Gummibärchen, aber ich habe mich ganz gut im Griff und nehme nur davon, wenn mir jemand welche anbietet.”

Losglück vs. Vorstellungsgespräch

Verstehen Sie die Frage des Personalers als Ausdruck seiner Unsicherheit und gegebenenfalls Angst, jemanden einzustellen, dem er später nicht gewachsen ist.
Es gibt Studien die belegen, dass Unternehmen per Losverfahren nur drei Prozent geringere Chancen auf gute Mitarbeiter haben als per Auswahl im Vorstellungsgespräch.

Autsch. Das hat gesessen.
Sowohl Bewerber als auch Jobanbieter möchten schier schreien, wenn sie diese Ergebnisse kennen. Der geneigte Leser wird nun merken: Jobinterviews sind für beide Seiten kein Zuckerschlecken.

Schwächenanalyse mal anders

Warum ist es nötig, dass ich als Bewerber meine Eigenschaften dennoch kenne, unabhängig davon, wie ich bzw. mein privates Umfeld sie bewertet? Darum:

Schwächen sind, wie alles andere auch, relativ. Eine Schwäche, die das private Umfeld an einem Bewerber feststellt ist vielleicht “geizig und kleinlich”. Mit diesen Eigenschaften ausgerüstet ist der Bewerber ein nicht hoch genug zu lobender Controller oder Buchhalter – aber leider im Beschwerdemanagement auf Kundenseite wenig erfolgreich.
Eine Schwäche ist demzufolge Ansichtssache. Ein Bewerber kann seine so ermittelten Schwächen in wohlformulierter und dosierter Form gut an den Personaler bringen. Mögliche Antwort:

“Nach meiner Schwäche gefragt, antworte ich als Controller, dass ich zu großzügige Vorgehensweisen nicht schätze”.

Damit punkten Sie allemal mehr als mit dem geflöteten Standardsatz: “Hach, wissen Sie, mir kommt immer meine Ungeduld in die Quere.”

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