Lebenslauf FAQ
Q: Warum schreiben Sie über einen Lebenslauf nicht das Wort “Lebenslauf”?
A: Weil jeder, der sich mit Bewerbungsunterlagen berufsmäßig beschäftigt sofort erkennt, dass es sich bei diesem Schriftstück um einen Lebenslauf handelt. Ich muss dieses Wort genau so wenig auf meinen Lebenslauf schreiben, wie ich auf mein Netbook das Wort “Netbook” schreibe.
Der Platz im Lebenslauf ist begrenzt. Daher geht es um jede Zeile. Ich nutze für Sie den entstandenen Platz, um den Lebenslauf zum Leben zu erwecken. Denken Sie immer an denjenigen, der Ihr Machwerk nicht nur betrachten, sondern auch lesen und verstehen soll. Arbeiten Sie ihm zu, überfordern Sie ihn nicht. Machen Sie ihm den Mund wässrig, er soll Appetit auf mehr bekommen und ihre hervorragenden Zeugnisse sichten - und Sie natürlich zum Gespräch einladen.
Q: Wie viele Seiten ‘darf’ ein Lebenslauf haben?
A: Die Seitenzahl für meinen Lebenslauf sollte sich auf höchstens zwei beschränken. Drei Seiten, wenn ich promoviert habe und Auslandserfahrung vorweisen kann. In Beamtenkreisen kursiert ein alter Witz zum Thema Länge eines Schreibens: Der Bürgermeister ist kurz vor der Sitzung des Stadtrates ganz hektisch und fragt die Sekretärin: “Hatte das Rundschreiben mehr als eine Seite?” “Ja. Wieso?” “Mist, dann habe ich es nicht gelesen!”
Q: Wie gestaltet man die Zeitangaben im Lebenslauf?
A: Grundsätzlich gilt: So leserfreundlich wie möglich. Siehe auch hier. Die Zeitangaben werden auf Monate genau angegeben. Ob Sie daraus nun
- 01/2000 – 12/2001 ODER
- 01.2001 – 12.2001 ODER
- Jan 2000 bis Dez 2001 ODER …..
machen, bleibt Ihnen überlassen. Bleiben Sie bei einer Schreibweise und lassen Sie den Personaler keinesfalls im Unklaren. Machen Sie klare und deutliche Aussagen. Oder wissen Sie nicht mehr, wann Sie wo gearbeitet haben? Wer außer Ihnen weiß es denn sonst? Lassen Sie keine Lücken. Gleichen Sie die Daten aus dem Lebenslauf mit den Daten auf Ihren Zeugnissen ab. Bei unterschiedlichen Angaben wird sofort nachgebohrt. Und, nein, die passende Antwort auf “Da sind Lücken in Ihrem Lebenslauf!” ist nicht “Ach, da war nur die Druckertinte leer.”
Q: Und was ist mit dem europäischen Lebenslauf (Europass)? Muss man den denn nicht nehmen?
A:Meine Einstellung zu MUSS und SOLL und dergleichen mehr, wenn es um Bewerbungen geht, erfahren Sie auf der “Hier stehe ich und kann nicht anders” Seite. Ansonsten hat dieses millionste Formular aus Brüssel den Charme eines Fingernagelschneide-Automaten. Aber das geht doch gar nicht, werden Sie sagen, wir haben doch alle unterschiedlich lange Finger! Frauen, Männer, Junge, Alte…. Der Fingernagelschneide-Apparillo grinst sich eines und denkt: “Unterschiedlich lange Finger? Klar, VORHER schon!”
Die Verordnung über die Länge und Krümmung der EU-Banane hat mehr Wörter als die Amerikanische Unabhängigkeitserklärung. Nun vergleichen Sie die beiden Werke in ihrer Bedeutung und sehen Sie selbst.
ZWEI Spalten im Lebenslauf reichen. Links die Zeitspanne, rechts die Beschreibung, was Sie in der Zeit gemacht haben. Erst der Jobtitel, dann der Arbeitgeber in der jeweiligen Rechtsform (zur Not im Telefonbuch nachschlagen oder auf Arbeitsvertrag/Zeugnis in Erfahrung bringen) und der jeweilige Ort. Dann die wichtigsten Tätigkeiten.
Angaben, die für einen gut lesbaren, informativen Lebenslauf ausreichen: PERSÖNLICHE DATEN – ANGESTREBTE TÄTIGKEIT bzw. AUSBILDUNG – BERUFLICHE TÄTIGKEITEN- AUSBILDUNG – WEITERBILDUNG – KENNTNISSE & FÄHIGKEITEN – (MITGLIEDSCHAFTEN)
Der EU-Lebenslauf lässt Ihnen keine Wahlfreiheit, welche Informationen für Sie die wichtigsten sind und die Sie daher ganz nach oben rücken möchten, damit das Auge des Personalers darauf zuerst fällt.
Ich weiß, man muss nicht jedes Feld ausfüllen. Aber ich finde es bedenklich, dass unbelegbare Dinge wie “Soziale Fähigkeiten und Kompetenzen” oder “Künstlerische Fähigkeiten und Kompetenzen” aufgeführt werden. Es ist gefährlich, einfach mal irgendwelche hübschen Kling-Klang-Wörter, die alle so gerne hören, in den Lebenslauf zu packen. Viel spannender ist doch, wenn der Bewerber es BELEGEN kann. Sehr leicht drifte ich in eine Ecke, die nicht mein berufliches ICH zeigt sondern mein privates.
Q: In der letzten Maßnahme sollten wir die Hobbies mit in den Lebenslauf schreiben, damit uns das als Menschen greifbarer macht. Warum finden sich keine Hobbies in den von Ihnen erstellen Lebensläufen?
A: Zunächst möchte ich dazu sagen, dass das Wort Hobby mittlerweile eingedeutscht wurde. Die Mehrzahl heißt ‘Hobbys’. Ich rate dazu, diese Hobbys nur dann zu erwähnen, wenn dadurch der Anspruch auf den angestrebten Job unterstützt wird. Es kann ebenfalls sinnvoll sein, diese Hobbys nicht schon im Lebenslauf aufzuführen, sondern sie sich gegebenenfalls als Trumpf für das Vorstellungsgespräch aufzubewahren.
Eine schriftliche Bewerbung mit den Textarten “Anschreiben” und “Lebenslauf” ist ein geschäftliches Dokument. Dieses Dokument dient dazu, Ihr berufliches ICH zu beschreiben. Ihre Hobbys dagegen gehören zu Ihrem privaten ICH. Bitte trennen Sie diese beiden Teile.
Mit der Angabe von Hobbys zeichnet man ein stets Bild von sich. Kluge Bewerber überlegen es sich mehrmals, in welchem Licht sie dastehen möchten. Welches Licht wirft das Hobby “Stricken”… auf einen männlichen Bewerber? Und auf eine Bewerberin, die ganz die toughe Businessfrau sein will? Der Eindruck, den diese Dame beim Personaler hinterlassen will, ist bestimmt nicht der einer “Strickliesl”! Bei Tätigkeiten, die Sie körperlich stark fordern wie z. B. Paragliding, Thai-Boxen oder Bergsteigen gehen die Gedanken des Personalers ziemlich sicher in Richtung Ausfall wegen zugezogener Blessuren.
Achten Sie im Vorstellungsgespräch auf die Mimik Ihres Gegenübers. Verweilen Sie nicht bei Ihren Hobbys, wenn Sie bemerken, dass der andere dafür wenig Verständnis hegt.
VORSICHT FALLE: Vermeiden Sie es unter allen Umständen, “interessante” Hobbys anzugeben, die Sie nicht ausüben. Es ist entsetzlich peinlich, von jemandem auf das Hobby angesprochen zu werden und nichts darüber zu wissen.
Keine Regel ohne Ausnahme. In diesen Fällen machen sich Hobbys gut:
Ihr Hobby ergänzt Ihren Beruf? Wie schön! Die Sicherheitsfachkraft, die im Verein Taekwondo betreibt sollte davon im Jobinterview erzählen. Genau so die Bürokraft, die an Wettbewerben im 10-Finger-Schreiben teilnimmt.
Sie üben ein Ehrenamt aus? Sind vielleicht sogar Vorsitzender der Nachbarschaftshilfe für benachteiligte Kinder? Schaffen Sie in Ihrem Lebenslauf eine Rubrik “Ehrenamtliches Engagement” oder “Mitgliedschaften”. Gerade für Arbeitslose macht sich eine solche Rubrik im Lebenslauf nicht schlecht. Merksatz: “Ich bin auf alle Fälle nicht ohne Beschäftigung, wenn ich auch derzeit vielleicht ohne bezahlte Arbeit bin.”
Sie waren Teil von “Jugend trainiert für Olympia”? Wer ganze Lebensabschnitte nicht wie andere hinter dem Büro-PC gesessen sondern gelaufen/geschwommen /gesprungen ist und hat, schreibt das in den Lebenslauf hinein.
Q: Was empfehlen Sie Schulabgängern in den Lebenslauf aufzunehmen?
A: Ganz klassisch finden sich Eltern und Geschwister im Lebenslauf. Das kommt noch aus einer Zeit, in der “man” sich untereinander besser kannte. Personaler konnten direkt sehen und zuordnen: “Aha, die Tochter von Karl Heinz.” Und danach wurde dann eingestellt, weil man Karl Heinz kannte und von ihm wusste, welchen Einfluss er auf seine Kinder hat. Wen man ansprechen kann, wenn etwas läuft – oder auch nicht. Das ist heute eher selten der Fall.
Ich empfehle, Eltern und Geschwister dann in den Lebenslauf mit aufzunehmen, wenn man weiß, dass man als z. B. Mitarbeiterkind oder Kundenkind bevorzugt eingestellt wird. Oder wenn der Großvater, Vater und älterer Bruder alle Schornsteinfeger sind und man selbst auch Schornsteinfeger werden möchte. Die Familiengeschichte unterstützt so den Anspruch auf die Ausbildung.
Sie sind Schulabgänger und haben (vielleicht noch) viele weiße Stellen in Ihrem Lebenslauf? Bereichern Sie Ihren Lebenslauf durch Vereinstätigkeiten. Zeigen Sie, dass Sie sich in ein System einpassen können, auch Anweisungen annehmen und befolgen können.
Nein, shoppen und chatten gelten nicht. Selbst wenn Ihr Lehrer Ihnen das durchgehen lässt. Überlegen Sie, welches Bild Sie mit diesen Aussagen im Kopfkino des Personalers ablaufen lassen!
Zeigen Sie sich als zupackenden jungen Menschen. Jemanden, den man sich gut an der eigenen Seite im Betrieb vorstellen kann. Der zu den anderen passt und nicht alles aufmischt.
Ideal ist es, wenn Sie sich in den letzten ein, zwei Jahren vor Schulabschluss Berufserfahrung über die vorgeschriebenen Praktika hinaus zu verschaffen. Tätigkeiten für Ihren Lebenslauf, Rubrik “Berufliche Erfahrungen”: Sammeln Sie berufliche Erfahrungen in dem Job, den Sie anstreben durch mehrere Praktika oder regelmäßige Tätigkeit am Wochenende in einem Betrieb. Auch nicht schlecht: Zeitungen usw. über eine längere Zeit regelmäßig austragen, bei einer Meerschweinchenzüchterin alle 14 Tage Käfige reinigen und Meerschweinchen pflegen, mit dem Jugendkreis auf dem Weihnachtsmarkt alkoholfreien Punsch verkaufen – all das formt den Charakter und hebt Sie wohltuend von der Masse ab. Bitten Sie höflich um ein Zeugnis, eine Bestätigung Ihrer Tätigkeiten, um es als Nachweis in die Bewerbungsmappe aufzunehmen.
Die größte Angst der Anbieter von Ausbildungsplätzen: Jemand bricht die Ausbildung ab, weil er oder sie die Berufswelt im Allgemeinen (und das Berufsbild im Speziellen) nicht einzuschätzen weiß oder in der Berufsschule nicht mithalten kann. Sorgen Sie dafür, dass der Stellenanbieter bei Ihnen diese Ängste nicht haben muss. Zeigen Sie, dass Sie etwas “draufhaben”.
Q: Was ist mit Weiterbildungen?
A: Berufliche Weiterbildungen der letzten Jahre kommen in den Lebenslauf. Kriterium: man wendet das, was man gelernt hat, noch an.
Englisch sollte man immer lernen und dranbleiben – auch und gerade dann, wenn man es im Job eigentlich nicht braucht. Also rein mit dem Sprachkurs in den Lebenslauf! Nebenbei erwähnt: Es ist von Vorteil, wenn man auch in einer zweiten Fremdsprache sicher kommunizieren kann.
Sie arbeiten beruflich am PC? Lassen Sie sich auch dann in den neuesten Versionen der Anwendungen schulen, wenn Sie schon ein Crack sind. Sie lernen im Kurs den effizienteren Umgang mit Rechner und Programm.
Im Internet gibt es Online-Kurse, die modulares Lernen erlauben.
Weiterhin zu empfehlen: Konflikttraining, Kommunikationskurse, Rhetorikkurse, Selbstorganisation, Präsentationskurse…
Bei einem großen Internetauktionshaus werden Weiterbildungs- und Fremdsprachenkurse auf CD zuhauf günstig angeboten.
Der Möglichkeiten sind viele! Nutzen Sie sie. Weiterbildungen sind nicht nur etwas “to pimp my Lebenslauf”. Im Berufsleben muss ich ständig an mir selbst arbeiten, selber sehen, wohin die Reise geht. Die Verantwortung dafür, dass ich zum Arbeitsmarkt und den Anforderungen dort passe, liegt immer mehr bei mir. Und nicht bei meinem Chef, der mich gnädiger Weise zu einer Weiterbildung schickt – oder auch nicht.
Q: Muss ein Lebenslauf unterschrieben werden?
A: Ich erachte es als sinnvoll, einen Lebenslauf mit Ort, Datum und Unterschrift zu versehen. “Vorgeschrieben” ist es meines Wissens nicht. Sie zeigen damit, dass Sie zu den gemachten Angaben stehen. Sie verdeutlichen mit der in blauer Füllertinte geschriebenen, LESERLICHEN Unterschrift, dass es keine X-mal kopierte Massensendung ist. Unterschrift bitte (ein) Vorname und dann erst der Nachname. Auch wenn Sie im alltäglichen Umgang auf die Frage nach Ihrer Herkunft mit “Ich bin dem Müller Hermann seiner.” antworten. Apropos blaue Füllertinte: Schön sind ebenfalls ‘Ort’ und ‘Datum’ in dieser Form. Das hat garantiert nicht den Charakter von Amt oder Bank.
Q: Wie erstellt man den eigenen Lebenslauf von Grund auf neu?
A: Wichtig beim Erstellen eines Lebenslaufs: Führen Sie im ersten Schritt alle Tätigkeiten auf, die Sie jemals gemacht haben. Unabhängig von der Vergütung! Es geht um die Erfahrung in dem Beruf. Getreu dem Motto “Been there, done that, got the t-shirt” (Ich war dort, habe es getan und habe das T-Shirt zum Beweis).
Im zweiten Schritt bringen Sie die Sache in eine Form. Teilen Sie das Dokument ein. Ganz grob: 2/5 zu 3/5. Links die zu füllenden Rubriken z.B. Persönliche Daten, Angestrebte Tätigkeit, Berufliche Tätigkeiten, Ausbildung, Weiterbildung, Kenntnisse und Fähigkeiten, Engagement. Darunter die Zeiten auf Monate genau. Rechts davon Ihre Berufsbezeichnung, Arbeitgeber, Ort, dazu die ausgeübten Tätigkeiten. Sie formulieren nicht aus, mehr als Worte wie z.B. “in, an, als” brauchen Sie nicht. Die ‘hochwertigsten’ Tätigkeiten zuerst, sonst könnte ein merkwürdiger Eindruck entstehen. Keinen Platz findet selbstverständliches wie “Arbeitsplatz aufräumen”.
“In Form bringen” heißt ebenfalls, dass nichts im Lebenslauf steht, was nicht in den Zusammenhang passt. Angenommen, Sie haben mehrere Jahre lang als Imbissverkäufer gearbeitet und auch mehrere Jahre Berufserfahrung als Produktionshelfer. Bei einer Bewerbung als Produktionshelfer beleuchten Sie natürlich nicht Ihren heldenhaften Einsatz während des Oktoberfestes, als die randalierende Jugend den Wagen zu stürmen drohte, weil die Cheeseburger zur Neige gingen.
Vielmehr schildern Sie in leuchtenden Farben, welche Kenntnisse Sie in der Produktion haben. Was haben Sie genietet, geschweißt, gelötet, geschraubt? Welche Arten der Dokumentation zur Qualitätssicherung sind Ihnen vertraut? Welche Maschinen wurden Ihnen anvertraut? Vermitteln Sie glaubhaft, dass nicht Ihr bloßer Anblick dafür sorgt, dass alle Maschinen plötzlich streiken.
To be continued.
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Ich schreibe für engagierte Bewerber. Gibt es etwas aus Ihrem Bewerberalltag, das Sie hier vermissen? Sehen Sie etwas anders? Lassen Sie es mich wissen. Ich freue mich über ihre Antwort.



